in den Leine-Nachrichten vom 04.05.2026
Die Hemminger Stadtverwaltung behauptet, dass die von Grünen und Linken geforderte dauerhafte Markierung in Regenbogenfarben auf einem öffentlichen Areal im Stadtgebiet „dem Neutralitätsgebot widerspräche und einen Präzedenzfall schaffen würde.“ Das ist feige und spricht nicht für das weltoffene Image Hemmingens, mit dem sich Verwaltung und Ratsfraktionen gerne schmücken. Es geht hier nicht um einen „Präzedenzfall“, sondern um Unterstützung für eine vielschichtige Gruppe von Personen, die zunehmenden Anfeindungen ausgesetzt ist.
Gerade in unserer Zeit, in der Rechtspopulisten eine echte Gefahr für unsere Demokratie darstellen, den öffentlichen Rundfunk umfunktionieren, Kulturangebote beschneiden und die Schulpflicht abschaffen wollen, müssen wir Zeichen setzen, dass alle Menschen in Freiheit mit ihrer eigenen sexuellen Orientierung leben können.
Ich habe bereits zweimal das Theaterstück „Pride“ im Schauspielhaus Hannover gesehen. Der Autor und Regisseur Falk Richter erzählt von Biografien queerer Personen und über die Ängste und Hoffnungen, die mit einem Outing einhergehen. Neben den sehr unterschiedlichen Lebensgeschichten der sieben Schauspielenden erfahren wir eine Menge darüber, wie queere Menschen seit dem Zweiten Weltkrieg verfolgt, missachtet, unsichtbar gemacht und bestraft wurden und werden. Und warum? Nur weil sie sich einer Gesellschaft, die nur zwei Geschlechter kennt, nicht zugehörig fühlen. Menschenfeinde mit rechter Gesinnung erlauben sich, öffentlich queere Personen anzugreifen, zu schlagen, zu demütigen, ohne dass unser Staat sie beschützt; in manchen Ländern droht ihnen sogar die Todesstrafe. Und genau deshalb sind symbolträchtige Aktionen wie eine Regenbogenmarkierung auf Asphalt wichtig – als Zeichen, dass sich weltoffene Kommunen und demokratisch gesinnte Menschen nicht von rechtsradikalen Eiferern einschüchtern lassen.
von Susanne Bauer
